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Ein Rückblick auf die 7. Brandenburgischen Schultheatertage vom 14.-18. Juni 2011 in Frankfurt/Oder
Anlässlich des 200. Todestages des Dichters entwickelten das Theater Frankfurt, die Messe- und Veranstaltungs-GmbH Frankfurt (Oder) und die LAG darstellendes Spiel in den Schulen e.V. die Idee, das 7. Brandenburgische Landesschultheatertreffen nach Frankfurt ins KLEIST- Forum zu holen. Dieser großen Herausforderung hatten sich u. a. SECHS Schultheatergruppen aus Brandenburg gestellt. Und so wurde manche Wissenslücke der 120 TeilnehmerInnen aus Brandenburg, Polen und Italien über den deutschen Dichter gefüllt:
In die GROSSE ODERSTRASSE, der Geburtsstätte Kleists, lädt uns die „Kleist Klasse“ (Liebknecht- Gymnasium Frankfurt, Leitung Christina Dalchau und Kerstin Hanne) ein. Nur eine Plakette an einem schäbigen Haus aus DDR-Zeiten erinnert an dessen Geschichte. In ihrer Performance „KLEIST LIVE“ machen die SpielerInnen diesen Ort wieder lebendig. das Haus soll demnächst abgerissen werden, beherbergt z. Z. aber etwas Besonderes, die Ergebnisse des Projektes der „Kleist-WG“, in dessen Rahmen die leerstehenden Räume „kleistvoll“ gestaltet wurden.
 Nach TROJA führt uns „PENTHESILEA“ (Liebknecht-Gymnasiums Frankfurt, Leitung Frank Radüg). Die Theatergruppe der 13. Klasse zeigt eine ungewöhnlich kraftvolle und athletische Inszenierung. Chorische Elemente wechseln mit Kampfsolis, Spieler halten mit Leichtigkeit das Gleichgewicht auf dem Rücken anderer. Was bleibt, werden die Spieler in der Nachbesprechung gefragt. „Ich bin z. B neugierig auf weitere Stücke von Kleist geworden“, sagt Penthesilea –Darstellerin Teresa Bialas.
In eine ZWISCHENWELT wandern wir mit den SpielerInnen des Pückler - Gymnasiums Cottbus in dem Stück „KOPF ODER HERZ“ (Spielleitung Angelika Koch). Wir erleben die Protagonisten Henriette Vogel und Heinrich von Kleist nach ihrem Selbstmord rückblickend auf ihr vorheriges Leben. Der Gruppe erzählt leicht und „musikalisch“ ihren „Suizid“ und lässt uns teilhaben, u. a. am Mittagstisch von Familie Kleist.
PARIS 1801, KÖNIGSBERG 1804, FRANKFURT 2011- die Theatergruppe der Schule des Zweiten Bildungswegs „Heinrich von Kleist“ in Potsdam (Spielleitung Astrid Lehmann) reist mit dem Publikum durch die Zeit. In „Mit der Grazie tritt“ erleben wir, medial wunderbar geleitet, Freunde, Bekannte, Menschen, die über ihn geschrieben haben, im Diskurs mit Kleist. Auch Richter Adam (“Der zerbrochene Krug“), alias Daniel Stolzmann, tritt auf und beschwert sich beim Dichter darüber, dass dieser ihn gezwungen habe, derart tollpatschig zu sein und das Recht zu beugen.
1811. Am KLEINEN WANNSEE unterhalb der Bismarckstraße erschießt Kleist zunächst Henriette Vogel, dann sich selbst. Der Kurs Klasse 12 (Liebknecht Gymnasium Frankfurt/Oder, Leitung Christina Dalchau) hat für die Szenencollage „50 SCHRITTE“ in Obduktionsberichten und Vernehmungsprotokollen recherchiert und Szenen über Menschen, die den freiwilligen Tod der beiden unfreiwillig erleben mussten, entwickelt. So werden wir z. B. in die Riebische Gaststube am Wannsee eingeladen, in der Kleist und Vogel, großartig gespielt von Maxi Köhler und Svea Mausolf, ihre letzte Nacht verbrachten.
Zurück nach FRANKFURT/ODER 1800. Der Beziehung des Dichters mit Wilhelmine von Zenge hat sich die Theatergruppe vom Bertolt-Brecht-Gymnasium in Brandenburg (Leitung Heike Schade) in „KLEIST UND DIE Z(W)ENGE“ angenommen und versucht, aktuelle Bezüge zu finden. In eigenwilligen Bildern erzählt die Gruppe von den Liebes-Zwängen der Protagonisten. Kleist stellte seiner Verlobten Denkaufgaben. Emsig fangen die Spielerinnen an zu schreiben, versuchen sich erneut, geben auf. Doch alle sind zufrieden. „Wir haben hier alles gegeben, der Rhythmus der Gruppe hat gestimmt“, sagt Michael Vu.
Insgesamt war es ein facetten- und lehrreiches 7. Schultheatertreffen. Wie Tim Konratt vom Pückler Gymnasium Cottbus berichten viele SpielerInnen in den Nachbesprechungen von ähnlichen Erlebnissen: „Wir mussten uns vorher sehr intensiv mit Kleist und Henriette Vogel beschäftigen, ihre Briefe lesen.“ Am Ende des Festivals vertraut mir eine Spielerin an: „Heute wurde aus einem Kleist-Brief zitiert, den ich auch kenne. Das hat mich richtig glücklich gemacht.“ Mich auch.
Monika Grobler
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